Unser Blog
Wir geben einen Einblick hinter die Kulissen des Bildungsinstituts.

4 Tipps um in Lernräumen über das "Stadtbild" zu sprechen
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach kürzlich in Bezug auf das Thema Migration davon, dass es „im Stadtbild noch dieses Problem“ gebe – eine Aussage, die rassistisch ist, weil sie Menschen nach ihrem Aussehen kategorisiert und als Problem darstellt. Das wollen wir nicht so stehen lassen! Wir haben uns vier kleine Methoden-Ideen überlegt, wie Sie diese Aussage im Unterricht thematisieren können.
Gemäß dem Beutelsbacher Konsens ist es die fächerübergreifende Pflicht aller Lehrer*innen, sich für die Demokratie einzusetzen. Vor allem aktuelle Debatten und Kontroversen sollten aufgegriffen werden. Lassen Sie uns im Dialog mit den Schüler*innen Orte schaffen, in denen Reflexion, Haltung und demokratisches Miteinander möglich sind – ohne Rassimus und Ausgrenzung!
Tipp 1: Name it!
Warum drum herumreden? Die Aussage von Merz war rassistisch und verschiebt den Bereich des Sagbaren noch weiter nach rechts. Um dem entgegenzuwirken empfehlen wir dringend, mit Schüler*innen zu thematisieren, was Merz da genau gesagt hat. Wichtig ist dabei mitzudenken, dass in jeder Lerngruppe auch Betroffene von Rassismus (und anderen Diskriminierungen) sitzen können. Aber genau deshalb ist es eben auch eine Haltung, diese Aussage unthematisiert zu lassen!
Mögliche Reflexionsfragen:
Wen meint Merz mit dem „Stadtbild“?
Kann man „Deutsch-Sein“ sehen?
Warum werden bestimmte Menschen als „fremd“ markiert?
Tipp 2: Historisch einordnen
Auch im Nationalsozialismus gab es Diskurse, wie diesen – mit sehr ähnlichem Vokabular. So schrieb NS-Propaganda-Administrator Joseph Goebbels am 20. August 1941 in sein Tagebuch, Juden*Jüdinnen würden das "Straßenbild" verderben. Hinter diesem historischen Zitat steht eine Vernichtungslogik und faschistische Ideologie. Ohne das Merz andichten zu wollen, kann dennoch in Lerngruppen diskutiert werden, welche Folgen Ideologien haben, die auf einer „einheitlichen Bevölkerung“ beruhen.
Wichtiger Perspektivwechsel:
Aktuell posten viele marginalisierte Personen Instagram-Reactions, wie es ihnen aktuell geht. Das sehen auch die Schüler*innen. Warum nicht einige Reels zeigen und diese Perspektiven in das Gespräch einbeziehen?
Tipp 3: Faktencheck Frauenpolitik
Merz rechtfertigte seine Aussage mit dem Schutz von „Töchtern“, also Frauen, Mädchen und anderen weiblich identifizierten Kindern. Diese Aussage ist sexistisch, weil sie auf einer Geschlechterordnung beruht, die Frauen zu passiven Opfern macht. Außerdem beruht sie auf einer rassistischen Logik, die Vergewaltigung rassifiziert. Um nur einige Beispiele zu nennen!
Höchste Zeit für den Fakten-Check!
Lassen Sie die Schüler*innen recherchieren: Wie setzen sich die aktuellen Regierungsparteien wirklich für Frauen und Gleichberechtigung ein? Z.B. in Sachen häusliche/Partnerschaftsgewalt, Sexismus, Gender Pay Gap?
Tipp 4: Über echte Stadtprobleme sprechen
Städte stehen tatsächlich aktuell vor großen sozialen Herausforderungen: Steigende Mieten, Armut, Lohnunterschiede, Arbeitslosigkeit...
Sammelt gemeinsam:
Was macht das Leben in der Stadt schwierig? Formuliert daraus eigene Forderungen – und schickt sie als Brief an den Bundeskanzler! 😉
