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Wir geben einen Einblick hinter die Kulissen des Bildungsinstituts.

Antidiskriminierung als Haltung in der Bildungsarbeit
Pädagog*innen und Lehrende haben die Verantwortung, bei Diskriminierung am Lernort einzugreifen. Aber was heißt das genau? Was steckt hinter diesem Leitmotiv? Wir verstehen das so...
Nach der Politologin Katharina Debus ist für Antidiskriminierung neben Wissen und Handlungskompetenz auch Haltung relevant. Man kann eine Haltung nicht auswendig lernen, wie eine geschichtliche Jahreszahl, Bundesländer oder eine Matheformel – dementsprechend gibt es auch nicht die eine didaktische oder pädagogische Zauberformel. Eine Haltung entsteht auf vielen Ebenen und braucht vor allem eines: Zeit sowie Reflexions- und Auseinandersetzungsmöglichkeiten. Folgende Orientierungspunkte können bei dem Prozess unterstützen:
1. Wissen erweitern
Als pädagogische Fachpersonen können wir uns selbst fortbilden, Themen verstehen und Neues dazulernen. Wir können uns fragen: Was brauche ich, um mich in dieser Thematik sicher zu fühlen? Welche Informationen fehlen mir? Welche Fragen habe ich selbst?
Je sicherer wir uns in einer Thematik fühlen, desto weniger werden wir bei kritischen Fragen verunsichert und desto leichter fällt es uns, Situationen für uns einordnen und angemessen handeln zu können. Es kann helfen, die Themen mit Kolleg*innen oder Menschen des privaten Umfelds durchzusprechen. Dabei kann mir einerseits auffallen, wo ich noch relevante Wissenslücken und Unsicherheiten habe. Andererseits kann ich dadurch Gespräche üben und das Thema tiefer durchdringen.
2. Handlungsoptionen ausprobieren und einüben
Grundsätzlich ist damit gemeint, sich selbst handlungsfähig zu fühlen und Ungleichheiten in Lerngruppen aktiv abbauen zu können. Aber auch die Handlungskompetenz, bei diskriminierenden Äußerungen oder Materialien kritisch zu intervenieren, gehört dazu. Dafür ist ein methodisch-didaktischer Werkzeugkoffer wichtig. Es ist aber auch unabdingbar, sich der eigenen Ziele für eine konkrete Lerneinheit bewusst zu sein und diese bei begrenzter Zeit zu priorisieren: Will ich Vielfalt positiv besprechen? Will ich Wissen vermitteln? Will ich Empathie und Verständnis für Auswirkungen von Diskriminierung erreichen? Will ich, dass die Lernenden sich selbst reflektieren?
Je nach Lernziel sind unterschiedliche Methoden empfehlenswert.
3. Haltung zeigen
Die eigene Haltung nach außen zu zeigen, ist ein wertvoller und wichtiger Bestandteil in der diskriminierungssensiblen Bildungsarbeit. Sie steht zwischen Wissen, Methodik und Didaktik und begleitet als Navigator und Sicherheitsnetz durch pädagogische Interventionen.
Wie zeigt sich das? Haltung kann durch klare Positionierungen gegenüber diskriminierender Aussagen und Handlungen des Gegenübers gezeigt werden („Deine Aussage ist diskriminierend, weil…“). Gleichzeitig schärft die eigene Haltung den Blick für Ungleichheiten und Dynamiken in der Lerngruppe. Haltung kann sich auch in Parteilichkeit zu Personen ausdrücken, die in der Lerngruppe (temporär) Ungleichbehandlung erfahren oder ausgeschlossen werden. Gleichzeitig braucht es Verständnis darüber, dass miteinander und nicht auf Kosten anderer gelernt wird. Indirekte Wege Haltung zu zeigen, sind das Bereitstellen von Empowerment-Möglichkeiten, wie Verweise an Beratungs- und Community-Angebote, Literatur zugänglich zu machen und auf spezifische Veranstaltungen hinzuweisen. Möglichkeiten non-verbal Haltung zu zeigen, ist das Sichtbarmachen von Symboliken (z.B. einen Regenbogensticker am Türschild oder an der Federmappe anzubringen) und damit Offenheit und Ansprechbarkeit zu signalisieren. Auch die Verwendung von diskriminierungssensibler Sprache (Schüler*innen, statt Schülerinnen und Schüler oder Schwarze Menschen, anstatt Farbige) vermittelt den Lernenden die eingenommene Haltung.
Das Zeigen von Haltung, unabhängig davon wie präsent oder subtil sie ist, bietet Lernenden die Möglichkeit, durch Identifikation und Reflexion zu lernen und ihre eigene Haltung (weiter) auszubilden.
Sie interessieren sich dafür, wie eine praktische Umsetzung aussieht und wollen diese selbst erproben? Unsere Unterrichtsmaterialien sind mit umfangreichen Begleitmaterialien ausgestattet, die eine handlungssichere Anwendung stärkt. Zusätzlich bieten wir Fortbildungen zu diesem Thema an.
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Foto: Das Foto zeigt fünf Karten mit den Aufschriften "Selbstsorge", "Respekt", "Nicht über andere reden", "Schutzraum" und Sage deine Meinung". Diese Karten sind Teil des Bildungsmaterial "LASS UNS...!" des BiV und sollen einen Konsens für das Miteinander festlegen.
©Moritz Richter