Disability Pride Month: Bewusstsein und Vielfalt fördern

Im Juli ist Disability Pride Month

Im Juli 1990 machten Aktivist*innen mit Behinderung auf ungleiche Rechte und strukturelle Benachteiligung aufmerksam, indem sie die Treppen des US-Kapitols erklommen, viele von ihnen mit Rollstuhl oder anderen Hilfsmitteln. Dass nun der Juli als Disability Pride Month benannt wird, geht darauf zurück. Ein guter Anlass in Lerngruppen über Ableismus und (Nicht-)Behinderung zu sprechen!

Pride Months können sehr gut als Aufhänger genutzt werden, um über Themen in Lerngruppen zu sprechen. So wie man im Juni über Queerness und sexuelle oder Genderdiversität sprechen kann, bietet sich der Juli für eine Thematisierung des Disability Pride Month an. Aber wie kann das diskriminierungssensibel gelingen?

Hier ein paar Tipps und Gedanken.

 

1. Ordnen Sie gemeinsam den Disability Pride Month ein

Wer über (Nicht-)Behinderung in Lerngruppen spricht, sollte ganz grundsätzlich darauf achten, Behinderung nicht als individuelles Defizit darzustellen, sondern als Teil menschlicher Vielfalt und als Thema von Rechten, Teilhabe und gesellschaftlichen Barrieren.

Erklären Sie, dass der Disability Pride Month jedes Jahr im Juli stattfindet und Menschen mit Behinderungen sowie ihre Identitäten, Erfahrungen und Beiträge sichtbar macht. Er geht auf die Behindertenrechtsbewegung zurück und ist eng mit dem Inkrafttreten des Americans with Disabilities Act in den USA verbunden. Gleichzeitig ist das Thema weltweit relevant, unter anderem durch die Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

 

2. Vermitteln Sie das Thema (Nicht-)Behinderung als gesellschaftliches Thema

Ein hilfreicher Zugang ist das sogenannte soziale Modell von Behinderung: Menschen sind nicht behindert, sondern werden durch werden Barrieren (beispielsweise Treppen ohne Aufzug, fehlende Untertitel oder Vorurteile) an der Teilnahme am sozialen Leben gehindert. 

Man könnte mit den Lernenden die Frage diskutieren: Welche Barrieren schafft unsere Gesellschaft – und wie können wir sie abbauen?

 

3. Machen Sie Vielfalt innerhalb der sehr vereinheitlichenden Kategorie "Behinderung" sichtbar

Machen Sie deutlich, dass es nicht die eine Erfahrung von Behinderung gibt. Behinderungen können sichtbar oder unsichtbar sein, angeboren oder später erworben, körperlich, sensorisch, psychisch oder kognitiv...

Menschen mit Behinderungen unterscheiden sich genauso stark voneinander wie Menschen ohne Behinderungen.

 

4. Sprechen Sie über Selbstbezeichnungen

Erklären Sie, dass unterschiedliche Begriffe verwendet werden. Es gibt die Person-First-Language (Menschen mit Behinderungen) und die Identity-First-Language (behinderte Menschen). Es gibt dabei kein richtig oder falsch! Vielmehr geht es darum, beide Konzepte empathisch nachzuvollziehen und Selbstbezeichnungen zu respektieren.

 

5. Beziehen Sie dringend Perspektiven von Betroffenen mit ein

Damit ist nicht gemeint, unabgesprochen Schüler*innen mit Behinderung andauernd als Expert*innen für Behinderung zu befragen. Das kann auch sehr nervig sein! Es gibt aber Bildingsmaterialien, die Sie nutzen können, die von Menschen mit Behinderungen selbst stammen. Wir schlagen vor, dass Lernende selbst auf Recherche-Suche gehen können (z.B. nach Interviews, Büchern, Podcasts, Kunst, Social-Media-Beiträge oder Influencer mit Behinderung, Vorträge etc.).

 

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Zu letzt ein paar Sensibilisierungs-Tipps:

Vermeiden Sie dringend Sprachwendungen, die auf Defizite oder Held*innen-Geschichten reduzieren. Beispiele dafür sind "trotz seiner Behinderung ...", "an den Rollstuhl gefesselt", "leidet an ...", "Sie ist ein Vorbild, weil sie nie aufgibt"...

Wählen Sie Sprache bewusst und weisen Sie ggf. auch bei den Lernenden auf reproduzierte Redewendungen hin. Neutralere Alternativen sind z.B. Formulierungen, wie "Rollstuhlnutzer*in", "hat eine Behinderung", "barrierereduziert".

 

Falls Schüler*innen selbst Behinderungen haben:

Niemand sollte aufgefordert werden, persönliche Erfahrungen zu teilen. Einzelne Personen sollten nicht als "Expert*innen für Behinderung" fungieren müssen. Beiträge sollten freiwillig bleiben.

© Fotos und Illustrationen Bildungsinsitut für inklusive Vielfalt.
Alle Rechte vorbehalten.

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