Gastautor*innen im Fachbuch: Vielfalt in Bildung

Die Gastautor*innen in unserem ersten Fachbuch

Diskriminierungssensible Bildung lebt von unterschiedlichen Perspektiven, fachlicher Expertise und dem kontinuierlichen Austausch mit Menschen, die sich intensiv mit verschiedenen Diskriminierungsformen auseinandersetzen. Deshalb war es uns ein besonderes Anliegen, für unser Fachbuch „Diskriminierungssensible Bildung" Gastautor*innen zu gewinnen, die ihr spezifisches Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Sichtweisen einbringen. Die Vielfalt der Stimmen im Buch selbst zeigt, wie wichtig es ist, unterschiedliche Realitäten anzuerkennen und Expertise sichtbar zu machen, um Bildungsräume gerechter und sensibler zu gestalten.

Diskriminierungssensible Bildung lebt von Vielfalt – nicht nur in den Themen, die sie behandelt, sondern auch in den Perspektiven, die sie sichtbar macht. Deshalb war für uns von Anfang an klar: Unser Fachbuch „Diskriminierungssensible Bildung. Ein Werkzeugkoffer für die pädagogische Praxis" (2026. Vandenhoeck & Ruprecht Verlag) sollte kein Werk sein, das ausschließlich aus unseren Stimmen besteht. Stattdessen wollten wir Menschen zu Wort kommen lassen, die sich seit Jahren intensiv mit den unterschiedlichen Diskriminierungsformen auseinandersetzen, dazu forschen, bilden, beraten, begleiten und Veränderungen anstoßen.

Es gibt so viele Expert*innen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet grandiose Arbeit leisten und über ein tiefes Fachwissen verfügen. Menschen, die Diskriminierung nicht nur theoretisch verstehen, sondern oft auch aus ihrer eigenen Lebensrealität heraus kennen. Dieses Wissen, diese Erfahrungen und diese Perspektiven wollten wir in unserem Buch sichtbar machen. Denn wir sind überzeugt: Niemand kann alle Diskriminierungsformen gleichermaßen umfassend abdecken.

Für uns bedeutet diskriminierungssensible Bildung, die eigenen Grenzen anzuerkennen und gleichzeitig offen für die Expertise anderer zu sein. Gastautor*innen ermöglichen genau das. Sie bringen spezifisches Wissen, neue Blickwinkel und wichtige Impulse ein, die unser Buch bereichern und vertiefen. Dadurch entsteht ein vielschichtigeres Bild von Diskriminierung und den Herausforderungen, die mit einer diskriminierungssensiblen Bildungsarbeit verbunden sind.

Gleichzeitig verstehen wir diskriminierungssensible Bildung nicht als festes Konzept, das sich einmal erlernen und anschließend unverändert anwenden lässt. Sie ist kein Schema F. Sie ist ein fortlaufendes Tun, ein Prozess des Lernens, Verlernens, Reflektierens und Weiterentwickelns. Sie wird ständig beeinflusst – und sollte beeinflusst werden – von neuen Erkenntnissen, fachlicher Expertise sowie den Erfahrungen unterschiedlicher Menschen und ihrer Lebensrealitäten.

Indem wir Gastautor*innen eingeladen haben, wollten wir genau dieser Haltung Ausdruck verleihen. Unser Buch soll nicht den Eindruck vermitteln, dass es auf alle Fragen die eine richtige Antwort gibt. Vielmehr verstehen wir es als einen Beitrag zu einem gemeinsamen Lernprozess, der von vielen Stimmen getragen wird. Denn diskriminierungssensible Bildung wird dann besonders wirksam, wenn wir bereit sind zuzuhören, Perspektiven zu erweitern und voneinander zu lernen.

Die Beiträge unserer Gastautor*innen sind deshalb weit mehr als eine Ergänzung. Sie sind ein zentraler Bestandteil unseres Verständnisses von diskriminierungssensibler Bildung: vielfältig, dialogisch und immer in Bewegung.

Im Buch schreiben (in dieser Reihenfolge):

Felix Michl über Differenzierung als Antwort auf Ableismus
Felix Michl studierte Lehramt Sonderpädagogik an der Universität Leipzig und war dort von 2019 bis 2025 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Förderpädagogik tätig. Aktuell befindet er sich im Vorbereitungsdienst an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und arbeitet an seinem Dissertationsprojekt »Queering Crips & Cripping Queers«.

Bettina Wilpert darüber, Ableismus als Mutter zu reflektieren
Bettina Wilpert ist Schriftstellerin und Mutter von zwei Kindern. Ihr Debütroman »Nichts, was uns passiert« erhielt zahlreiche Preise und wurde verfilmt. 2025 erschien ihr dritter Roman »Die bärtige Frau« im Verbrecher Verlag. In ihrer Arbeit setzt sie sich u. a. mit den Themen sexualisierte Gewalt, reproduktive Rechte und Erinnerungskultur auseinander.

Franziska Karow über Antisemitismus im Schulalltag
Franziska Karow ist Historikerin mit einem Master in Antisemitismusforschung und Bachelor in Judaistik. Als politische Bildungsreferentin war sie in zahlreichen außerschulischen Projekten tätig. Heute arbeitet sie im Projekt KiBA – Kindgerechte Bildung gegen Antisemitismus des Vereins Bildung im Widerspruch e. V., wo sie innovative Bildungsangebote entwickelt, die Kinder für Antisemitismusprävention sensibilisieren.

Judith Schreier über Fettaktivismus
Judith Schreier lebt in Leipzig und promoviert zu autobiographischen Texten dicker Frauen im US-amerikanischen Kontext an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit ihrem Bachelor- und Masterstudium in der Amerikanistik an der Universität Leipzig forscht sie über die Darstellung von dicken Körpern sowie Gender und Sexualität in (nordamerikanischer) Literatur und Kultur. Sie versteht sich als Fat-Aktivistin und gibt seit 2018 regelmäßig Vorträge, Workshops und Interviews über die kulturelle Bedeutung von »dick sein« mit einem besonderen Fokus auf die Geschichte der Fat-Acceptance-Bewegung, um aus dem jahrzehntelangen Schaffen (aktivistische) Schlüsse für heute zu ziehen.

Lara Höfemann über klassistische Diskriminierung im Klassenzimmer
Lara hat als Kind aus einer Arbeiter*innenfamilie selbst erlebt, wie stark soziale Herkunft Bildungswege beeinflussen kann. Heute arbeitet sie in der politischen Bildungsarbeit mit den Schwerpunkten Antidiskriminierung, Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe. Durch ihre Erfahrungen in Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt sie sich damit, wie Zugänge zu Wissen und Mitbestimmung gerechter gestaltet werden können.

Das Projekt SeBiLe (aktuell bestehend auf Anja Kruber, Maria Urban und Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß) über den Mythos Frühsexualisierung
Das Projekt SeBiLe (Urban/Wienholz/Khamis 2022) (Sexuelle Bildung für das Lehramt) wird von Anja Kruber, Maria Urban und Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß vorangetrieben. Sie haben, gemeinsam mit weiteren Beteiligten, ein Curriculum entwickelt, das es pädagogischen Fachkräften erleichtert, vielfältige Themen rund um die Sexuelle Bildung Jugendlicher zu besprechen. Das Ergebnis ist ein umfangreiches Curriculum, verbunden mit einem kostenlosen Folien-Set.

Tarek Zaibi über rassistische Denkmuster als Lehrkraft
Tarek Zaibi ist Lehrer für Politik und Sport. In Wolfsburg als Sohn eines sogenannten »Gastarbeiters« geboren, studierte er in Leipzig und ist heute an einer Gesamtschule in Göttingen tätig. Er ist Mitgründer des Bündnisses Speak UP, gibt Fortbildungen zu diskriminierungskritischer Schulentwicklung und war Bundestagskandidat. Auf seinem Social-Media-Kanal (Instagram @edutarek) macht er Aufklärungsarbeit mit einem Fokus auf Antidiskriminierung, Demokratiebildung und Antirassismus.

Magdalena Voigt in Reflexion sexistischer Narrative während der Schulzeit
Magdalena Voigt (sie/ihr), 2003 geboren in Bremen, studiert Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sie schreibt überwiegend Prosa und Lyrik und arbeitet seit 2024 als Übersetzerin aus dem Belarussischen. Im Herbst 2025 erscheint ihre erste Übersetzung, Alhierd Bacharevičs Golem aus Papier in der edition.fotoTAPETA.

 

Wir sind euch sehr dankbar, dass ihr eure Sicht auf das Thema mit den Lesenden teilt und unser Buch dadurch zu dem machen, was es heute ist: Ein gemeinsames Projekt für mehr Sensibilität, Reflexion und Chancengerechtigkeit in Bildungsräumen.

© Fotos und Illustrationen Bildungsinsitut für inklusive Vielfalt.
Alle Rechte vorbehalten.

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