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Wir geben einen Einblick hinter die Kulissen des Bildungsinstituts.

„Was hat Feminismus im Klassenzimmer zu suchen?"
Gedanken zum 8. März.
Die letzten Jahre war ich als selbstständige Referentin in der politischen Bildungsarbeit tätig. Sprich: Ich wurde als externe Person in Schulklassen eingeladen, um mit Jugendlichen über Gefährdungen für die Demokratie, wie Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu sprechen.
Als ich für einen Träger anfing, regelmäßige Workshops zu übernehmen, fiel mir auf, dass ein Teilaspekt im vorhandenen Konzept gänzlich fehlte: Antifeminismus.
Antifeminismus wird vom Else Frenkel-Brunswik-Institut nicht nur als autoritär, sondern auch als Steigbügel des Rechtsextremismus benannt. Laut der jährlich stattfindenden, bundesweiten Leipziger Autoritarismus-Studie hat 2024 ein Viertel der Deutschen ein geschlossen antifeministisches Weltbild – lehnt also geschlechtliche Gleichstellung ab und findet sexistische Ungleichheit legitim. Queer- und Transfeindlichkeit ist dabei noch mal um einiges weiter verbreitet (laut der Studie 37% der Deutschen). Diese Tendenz ist aktuell steigend: Diverse Genderidentitäten als illegitim abzuwerten, den feministischen Kampf um Gleichbehandlung als Radikalität zu verurteilen, wissenschaftliche Disziplinen wie Gender oder Queer Studies als Ideologie („Gender-Gaga“) zu verunglimpfen – all das sind menschenverachtende gesellschaftliche Tendenzen, die derzeit jedes Jahr mehr gesellschaftlichen Zuspruch erfahren.
Als ich dem Träger, für den ich arbeitete, anbot, Antifeminismus in das Workshop-Konzept einzuarbeiten, gab der Chef dort zu bedenken: „Also es kann hier nicht jede ihr Hobby einbringen!".
Was mir das gezeigt hat?
Anspruch und Realität von Genderegalität in Klassenzimmern sind bei Weitem nicht deckungsgleich: Der Ipsos-Studie von 2021 entsprechend verorten sich 18% der Jugendlichen auf dem queeren Spektrum und die Hälfte der Jugendlichen sind weiblich sozialisiert und dennoch gilt geschlechtliche Gleichstellung und die Aufklärung darüber als "Freizeitbeschäftigung".
Tatsache ist doch: Ungleichheit findet nicht nur in der Freizeit der Schüler*innen, sondern auch in der Schule statt. Vom allseits bekannten Spruch „Mädchen können kein Mathe!“, sexistischen Kommentaren bis hin zu sexuellen Übergriffen findet Misogynie in der Schule statt. Auch Queerfeindlichkeit steigt rapide, sowohl unter Schüler*innen als auch von Seiten der Lehrer*innen: Im Jahr 2019 gaben 47% der befragten queeren Schüler*innen an, gemobbt und bedroht worden zu sein. Im Jahr 2023 waren es 70% (Quelle: FRA, EU LGBTIQ Studie II (2019) and EU LGBTIQ Studie III (2023)). Damit liegen deutschen Schulen über dem europäischen Durchschnitt. Ob das in einigen Bundesländern verhängte Verbot genderneutraler Sprache im Unterricht menschenfeindlich ist, wird derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht geklärt.
Fest steht: Die Schulgesetze der Länder regeln Gleichheit aller Schüler*innen. Es ist die Aufgabe der Lehrenden das umzusetzen. Dabei handelt es sich um ein direktiv gemeintes Gesetz: Diverse Formen der Ungleichheit und Diskriminierung werden anerkannt (z.B. Rassismus, soziale Ungleichheit, Sexismus, Ableismus usw.) und gemeinsam soll dem entgegengewirkt werden. Eine antidiskriminierende Haltung wird dementsprechend eigentlich gesetzlich vorausgesetzt. Dementsprechend müsste Feminismus also nicht als extrem gelten, sondern Grundkonsens aller Schulen und Lernorte darstellen.
Was Sie tun können?
Unsere Fortbildungen bestärken im Umgang mit Ungleichheit. Unsere Beratungsangebote bieten Hilfestellung bei Diskriminierungsschutz an ihrer Institution. Bei der fortlaufenden Handlungssicherheit in der Thematisierung von geschlechtlicher Vielfalt dient unser Unterrichtsmaterial „LASST UNS…!“ inklusive umfangreichem Begleitmaterial als Tool.